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aktuelles aus dem Kreisverband Plön

Symbolbild: Kontakt zum SoVD Kiel

Moin im Kreisverband Plön!

Hallo liebe Mitlieder und Freunde des SoVD Kreisverbands Plön

Aktuell findet in Damp die Landesverbandstagung des Landesverbands Schleswig-Holstein statt.

Am Samstagvormittag fand der öffentliche Teil statt, bei dem es neben einer guten Moderation durch Jan Martensen auch wieder musikalische Einlagen durch die Bigband des Theodor Storm Gymnasiums Husum.

Zu den Redner diese vormittags zählten:

  • Alfred Bornhalm (Landesvorisz´tzender und Sovd-Präsident)
  • Sabine Mues (frischgewählte Kreispräsidentin Rendsburg-Eckernförde)
  • Michaela Engelmeier (SoVD Bundesvorsitzende)
  • Kristina Herbst (Landtagspräsidentin)
  • Hans-Otto Umlandt (Tagungspräsident Landesverbandstagung)

Alle Redner legten die Notwendigkeit des SoVD klar und zeigten auch die Erfolge auf.

Zuwendung bis zur Erschöpfung

Beruflich und privat Pflegende gehen oftmals an ihre gesundheitlichen Grenzen.

Erschöpfte, sitzende Frau. Im Hintergrund ein Mann im Rollstuhl.
Wer neben einem Job und der eigenen Familie noch Angehörige versorgt, ist im Alltag einer enormen Belastung ausgesetzt. Fotos: Jale Ibrak, Angelov / Adobe Stock; Montage: SoVD

Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, benötigen über konkrete Hilfestellungen hinaus auch seelischen Zuspruch. Im Alltag fehlt hierfür allerdings häufig die Zeit. Doch auch die Gefühle und Bedürfnisse der Pflegenden selbst kommen oftmals zu kurz. Das kann schnell zur Überlastung führen. Der SoVD fordert daher bessere Arbeitsbedingungen in der beruflichen sowie mehr Unterstützungsangebote in der häuslichen Pflege.

Die Fähigkeit zur Empathie ist eine wichtige Grundlage menschlichen Miteinanders. Sie lässt uns am Schicksal anderer teilhaben und zeigt diesen, dass wir sie in ihrer konkreten Situation wahrnehmen. Wer eine andere Person pflegt, ob nun im Krankenhaus, in einer stationären Einrichtung oder auch in den eigenen vier Wänden, kommt ohne ein gewisses Einfühlungsvermögen meist nicht weit.

Sich die Bedürfnisse und Gefühle anderer erschließen zu können, ist also eine zentrale Voraussetzung pflegerischer Arbeit. Umgekehrt erwarten Menschen, die aufgrund einer Erkrankung oder altersbedingter Einschränkungen auf Hilfe angewiesen sind, dieses Mitgefühl auch von ihrer Umwelt.

Wer unter Zeitdruck pflegt, hat kaum Zeit für Gespräche

Nicht selten fällt es gerade Pflegebedürftigen schwer, sich in ihre Situation einzufinden. Bedürfnisse, die sie selbst nicht mehr erfüllen können, erhalten in ihrem Alltag einen immer größeren Stellenwert. Betroffene fühlen sich in der Folge schnell hilflos und einsam. Ein zugewandter Austausch mit dem Pflegepersonal oder Angehörigen könnte einen Großteil der Frustration auffangen. Hierbei kommt jedoch der Faktor Zeit ins Spiel.

Nicht nur Pflegende kennen das: Es gibt immer etwas zu tun. Im privaten Bereich stehen speziell Angehörige dabei vor der Herausforderung, nebenher noch das eigene Leben zu organisieren und eventuell noch einer bezahlten Beschäftigung nachzugehen. Auch Pflegefachkräfte stehen bei ihrer Arbeit eigentlich ständig unter Zeitdruck. Das wirkt sich keineswegs nur auf die von ihnen betreuten Menschen aus.

Mitgefühl ist wichtig, kann aber auch belasten

Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigen die gesundheitlichen Folgen einer hohen Belastung durch Stress. Demnach treten etwa psychische Erkrankungen in der Pflege nahezu doppelt so häufig auf wie in allen anderen Berufsgruppen. Auch die Zahl der Krankmeldungen liegt deutlich über dem Durchschnitt. Wie lässt sich daran etwas ändern?

Menschen, die sich in der Pflege engagieren, möchten ja prinzipiell anderen helfen und dabei auch an deren Schicksal Anteil nehmen. Das kann jedoch im Fall von Angehörigen aufgrund der persönlichen Beziehung schwierig werden. Beruflich Pflegende dagegen treffen auf ihnen fremde Personen. Sie sind allerdings jeden Tag mit so vielen verschiedenen Lebensgeschichten konfrontiert, dass auch sie mit ihrem Mitgefühl recht bald an Grenzen stoßen.

Pflegende sollten eigene Bedürfnisse ernstnehmen

Der Bonner Pflegewissenschaftler Andreas Kocks warnt daher vor einer „unreflektierten Empathie“. Er rät Pflegenden dazu, auch die eigenen Bedürfnisse  nicht außer Acht zu lassen (siehe Interview auf dieser Seite). Kocks war an der Entwicklung des Entlastungskonzeptes empCARE beteiligt, mit dem Pflegekräfte lernen können, empathisch für andere zu sein, ohne sich dabei selbst aus dem Blick zu verlieren. Eine bessere Selbstwahrnehmung, so das Ergebnis zahlreicher Schulungen, wirkte sich insgesamt positiv auf die Gesundheit aller am Pflegeprozess Beteiligten aus. Ein ähnliches Angebot für Angehörige hält die AOK mit dem „Familiencoach Pflege“ bereit.

SoVD: Politik muss mehr Unterstützung anbieten

Vollmundige Versprechungen gab es in den letzten Jahren viele, passiert ist jedoch aus Sicht des SoVD zu wenig. Der Verband setzt sich deshalb weiterhin für mehr Angebote zur Entlastung und Unterstützung in der häuslichen Pflege ein. Hierzu gehört insbesondere der Ausbau und die Stärkung der Tages- und Verhinderungspflege.

Auch der Personalnotstand bleibt ein Problem. Besonders in der Altenpflege muss die Politik daher endlich bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen  schaffen. Joachim Schöne

Informationen zum Selbsthilfeprogramm der AOK gibt es unter: www.familiencoach-pflege.de.

Interview„Eigene Bedürfnisse nicht ignorieren“

Andreas Kocks arbeitete über zwölf Jahre hinweg als Krankenpfleger an der Uniklinik Bonn und studierte nebenbei Pflegeforschung. Im Rahmen des „empathiebasierten Entlastungskonzeptes in der Care-Arbeit“ (empCARE) beschäftigte sich der Pflegewissenschaftler mit herausfordernden Situationen im Pflegealltag. Mit der SoVD-Zeitung sprach Andreas Kocks über dringend notwendiges Mitgefühl, über die Grenzen von Empathie und über die Frage, warum Pflegende ihre eigenen Bedürfnisse ernst nehmen sollten.

___Bevor Sie Wissenschaftler wurden, haben Sie selbst als Krankenpfleger gearbeitet. Was ist denn die größte Herausforderung, vor der Pflegende derzeit stehen?

Was wir vor allem spüren, ist ein Fachkräftemangel. Im Mittelpunkt steht für mich deshalb die Attraktivität von Pflege. Mit Blick auf die Zukunft halte ich es für enorm wichtig, dass wir Menschen für diesen Beruf begeistern und sie dann auch in ihrem Job halten – und zwar so, dass sie gerne dort arbeiten und ihre Fähigkeiten einbringen. Und das ist unter den derzeitigen Bedingungen eine große Herausforderung.

___Wenn Personal fehlt, dann übernehmen die verbliebenen Pflegekräfte doch automatisch deren Arbeit. Führt das nicht zu einer immer größeren Belastung?

Absolut. Das ist eine Art Teufelskreis, den wir dort haben. Man verliert viele engagierte Menschen, die mit der in ihrer Arbeit erreichbaren Qualität unzufrieden sind. Sie sind schlicht frustriert, weil sie in ihrem Beruf nicht das machen können, wofür sie ursprünglich angetreten sind, und wenden sich ab.

___Überlastung und Zeitdruck sowie geringe Anerkennung für das Geleistete – das trifft in ähnlicher Weise auch auf die private Pflege zu, oder?

In jedem Fall. Das hat für mich auch etwas mit dem Blick auf Pflege insgesamt zu tun. Da scheint oftmals die Meinung vorzuherrschen, das könne jeder tun. Das macht man aber nicht mal eben nebenbei. Und wenn wir über die Pflege von Angehörigen nachdenken, dann wage ich mir gar kein Bild davon zu machen, welche Leistung Menschen dort erbringen. Das erfährt leider nicht die Wertschätzung, die angemessen wäre.

___Was können Pflegende tun, um nicht in einen Kreislauf zu geraten, der in Frustration endet?

Man kann lernen, mit Empathie reflektiert umzugehen. Darum ging es bei dem Projekt empCARE. Wenn ich mit meinem Gegenüber mitfühle, dann darf ich meine eigenen Gefühle nicht außer Acht lassen. Das ist eine Frage der Selbstpflege und wäre auch eine wichtige Botschaft für pflegende Angehörige. Man sollte sich eigene Bedürfnisse bewusst machen und diese ernst nehmen.

___In der Pflege komme ich doch aber ohne Mitgefühl nicht weiter. Wie schaffe ich es, das nicht als eine Einbahnstraße zu begreifen?

Das ist gar nicht so einfach. In Pflegesituationen geht es immer um das Aushandeln von Nähe und Distanz. Aber man kann Empathie lernen. Wenn ich mir bewusst werde, was meine Bedürfnisse sind und die von meinem Gegenüber, dann kann das schon helfen, Lösungen zu finden. Natürlich kann es auch vorkommen, dass man keine Lösung findet. Auch im Krankenhaus können wir den Menschen ihre Ängste nicht immer nehmen. Wir können ihnen aber das Gefühl geben, dass wir ihre Sorgen ernst nehmen und uns darum kümmern.

___Möglicherweise sieht mein Gegenüber aber nur die eigenen Bedürfnisse. Darauf habe ich dann keinen Einfluss.

Genau. Und damit umzugehen ist eine große Herausforderung. Das gilt für Pflegefachkräfte genauso wie für pflegende Angehörige. Bei der Pflege zu Hause kommt in der Regel auch noch eine persönliche Beziehung hinzu, die das Ganze zusätzlich schwierig machen kann.

___Viele Familien leisten diese Pflege aber auch, weil sie das wollen. Nur sind sie hierbei dringend auf bessere Rahmenbedingungen angewiesen.

Ich bin da total bei Ihnen. Es bräuchte mehr Unterstützung und es bräuchte überhaupt eine Anerkennung. Da müssen wir uns gar nichts vormachen: Die häusliche Pflege durch Angehörige ist der größte Pflegedienst, den wir in Deutschland haben. Nur mit der Forderung nach Wertschätzung alleine ist es dabei nicht getan. Das hat auch etwas damit zu tun, wie man mit sich selber umgeht, mit der eigenen Gesundheit.  Man sollte sich immer wieder fragen: Was tut mir gut? Was gibt mir Kraft?