Als Frau Winkler zum Pflegefall wird, soll sich ein Roboter um sie kümmern. Zunächst wehrt sich die alte Dame vehement gegen die Zuwendung durch eine Maschine. Doch dann entwickelt sich eine unerwartete Freundschaft zwischen der 80-Jährigen und dem Pflegeroboter Pawlowitsch.
Die Geschichte spielt zwar in der näheren Zukunft, genauer gesagt im Jahr 2030, wirft aber trotzdem Fragen auf, die uns schon heute beschäftigen: Wie gehen wir mit dem steigenden Bedarf an Pflege um? Wie begegnen wir der zunehmenden Einsamkeit im Alter? Einfache Antworten darauf bietet auch der Film von Doris Dörrie nicht. Auf mitfühlende und humorvolle Weise aber ermöglicht er wertvolle Denkanstöße zu Themen wie Selbstbestimmung oder Fortschritt.
Dass „Frau Winkler verlässt das Haus“ keine reine Komödie ist, zeigt sich nicht zuletzt an dem ambivalenten Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. So kann der Roboter zwar auf wunderbare Weise Texte von Tschechow zitieren, weshalb Frau Winkler ihm auch den Namen „Pawlowitsch“ gibt. Geichzeitig aber übermittelt dieser die sich verschlechternden Vitalwerte der Seniorin an ein Gesundheitssystem, das immer stärker auf Effizienz bedacht ist. Entscheidet somit am Ende eine künstliche Intelligenz über Leben und Tod?
Beim Schreiben ihres Drehbuches spielten für die Regisseurin auch eigene Erfahrungen eine Rolle. Doris Dörrie stieß bei der Pflege ihrer Eltern selbst hin und wieder an emotionale Grenzen. In diesen Situationen habe sie sich überfordert gefühlt und sei ungeduldig geworden. Dabei kam der Regisseurin gelegentlich der Gedanke, dass ein Roboter ohne derartige Empfindungen vielleicht besser für diese Aufgabe geeignet sei.
In Fortschritt und künstlicher Intelligenz sieht die Filmemacherin dennoch nicht die Lösung aller Probleme. Gleichzeitig ist ihr Zukunftsbild aber auch nicht von Angst bestimmt, sondern eher von der Suche nach dem, was uns menschlich macht. Daher war es Doris Dörrie auch wichtig, dass der Pflegeroboter Pawlowitsch von einem Schauspieler verkörpert wird.
Der Film „Frau Winkler verlässt das Haus“ von Doris Dörrie ist ab dem 1. Oktober bundesweit im Kino zu sehen.

