Als John Davidson damit anfing, unkontrolliert um sich zu schlagen, zu spucken und zu fluchen, hielten ihn viele schlicht für verrückt. Kein Wunder: Mit dem Begriff Tourette konnte in den frühen 1980er-Jahren kaum jemand etwas anfangen. Doch Davidson ließ sich auch nach seiner Diagnose nicht unterkriegen. Er gründete eine Selbsthilfegruppe und wurde mit den Jahren zu einem der bekanntesten Botschafter des Tourette-Syndroms. Mit „Verflucht normal“ kommt jetzt ein Film ins Kino, der auf bewegende Weise das Leben dieses Aktivisten erzählt.
Seine Kindheit verbrachte John Davidson in einer idyllischen Kleinstadt in Schottland. Damals drehte sich die Welt des sportbegeisterten Jungen vor allem um Fußball. Doch das änderte sich mit Beginn der Pubertät. Zunehmend litt der Zwölfjährige unter nervlichen Tics, hatte seinen Körper und seine Sprache nicht mehr unter Kontrolle. Sein Verhalten stieß auf Unverständnis und Ablehnung. Als John auch in der Schule mit Kraftausdrücken um sich warf, sperrte man ihn zur Strafe in einen Schrank. Erst spät erhielt er die Diagnose Tourette, einfacher machte das sein Leben aber auch nicht.
Unter dem Titel „John ist nicht verrückt“ („John‘s not mad“) machte schließlich eine Dokumentation im Fernsehen auf das Schicksal des damals 16-Jährigen aufmerksam. Es folgten weitere Berichte über das Tourette-Syndrom sowie aktuell der Kinofilm „Verflucht normal“. Ebenso mitreißend wie humorvoll schildert dieser Davidsons Leben und seinen Einsatz als Botschafter einer oft missverstandenen Krankheit.
Wie erfolgreich er damit ist, zeigte sich 2019 bei einer Auszeichnung durch die inzwischen verstorbene Königin Elizabeth II. Mit der ihr eigenen Gelassenheit nahm die Queen damals die von John Davidson unkontrollierbar geäußerten Flüche zur Kenntnis. Niemand der Anwesenden kam auf die Idee, ihn deshalb in einen Schrank zu sperren.

