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aktuelles aus dem Kreisverband Plön

Schleswig-Holstein rutscht immer wieder in die Armut – SoVD fordert entschlossenes Gegensteuern

Pressemeldung

Der aktuelle Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeigt für Schleswig-Holstein eine dramatische Entwicklung: Die Armutsquote ist innerhalb nur eines Jahres von 14,7 auf 16,8 Prozent gestiegen. Das ist ein Plus von 2,1 Prozentpunkten – deutlich mehr als im Bund, wo die Quote im selben Zeitraum von 15,5 auf 16,1 Prozent zulegte. Schleswig-Holstein gehört damit zu den Ländern mit der stärksten Verschlechterung. 

Für den Sozialverband Deutschland (SoVD) in Schleswig-Holstein ist dieser Anstieg ein unübersehbares Warnsignal. Die soziale Lage im Land verschärft sich – und sie verschärft sich schnell. Bereits 2023 lag die Armutsquote in Schleswig-Holstein noch bei 12,5 Prozent, 2024 bei 14,7 Prozent, nun bei 16,8 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren ist das ein Anstieg um 4,3 Prozentpunkte

„Schleswig-Holstein darf sich diesen alarmierenden Anstieg der Armut nicht schönreden. Wenn innerhalb eines Jahres so viele Menschen zusätzlich in Armut geraten, dann ist das kein statistischer Nebeneffekt, sondern ein sozialpolitischer Rückschritt mit Ansage. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die jeden Einkauf durchrechnen, auf soziale Teilhabe verzichten oder nicht wissen, wie sie Miete, Energie und Lebenshaltung noch bezahlen sollen“, sagt der Landesvorsitzende des SoVD Schleswig-Holstein, Alfred Bornhalm. 

Bundesweit leben nach Angaben des Paritätischen inzwischen 13,3 Millionen Menschen in Armut, die Armutsquote liegt bei 16,1 Prozent und damit auf dem höchsten Stand der vergangenen Jahre im betrachteten Zeitraum seit 2020. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Alleinerziehende und Einpersonenhaushalte. Die Armutsquote der Menschen ab 65 Jahren liegt bundesweit bei 19,5 Prozent; bei Alleinlebenden sind es 30,3 Prozent, bei Alleinerziehenden 28,9 Prozent

Als arm gilt nach der Definition des Paritätischen, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss. Für einen Einpersonenhaushalt lag diese Armutsgrenze 2025 bei 1.445 Euro netto im Monat

Der SoVD Schleswig-Holstein warnt davor, die Entwicklung im Land mit allgemeinen Verweisen auf die bundesweite Lage zu relativieren. Gerade Schleswig-Holstein zeigt, wie schnell soziale Sicherheit wegbrechen kann. Wenn die Armutsquote in so kurzer Zeit in diesem Ausmaß steigt, dann braucht es endlich klare politische Antworten – im Bund, aber auch im Land. 

„Armut ist kein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen – und deshalb kann und muss sie auch politisch bekämpft werden. Wir brauchen eine armutsfeste Rente, existenzsichernde Löhne, einen höheren Mindestlohn, verlässliche soziale Leistungen und vor allem wirksame Maßnahmen gegen immer weiter steigende Wohnkosten. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern will, darf bei Armut nicht länger zusehen, sondern muss handeln“, so Bornhalm weiter. 

Aus Sicht des SoVD Schleswig-Holstein braucht es jetzt ein sozialpolitisches Gegensteuern auf allen Ebenen: Wohngeld darf nicht gekürzt, sondern muss abgesichert werden, bezahlbarer Wohnraum muss konsequent ausgebaut werden, und öffentliche Aufträge müssen stärker an Tariftreue und gute Löhne gebunden werden. Der Armutsbericht des Paritätischen macht deutlich, dass hohe Wohnkosten und unsichere soziale Absicherung Armut weiter verschärfen. Armutsbetroffene Haushalte müssen im Bundesschnitt im Durchschnitt 43,7 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen. 

Für Schleswig-Holstein bedeutet das: Die Bekämpfung von Armut darf nicht auf Sonntagsreden reduziert werden. Notwendig sind konkrete Maßnahmen, die bei den Menschen ankommen – bei Rentnerinnen und Rentnern, bei Alleinerziehenden, bei Menschen mit niedrigen Einkommen und bei allen, die trotz Arbeit kaum über die Runden kommen. Der starke Anstieg der Armutsquote im Land ist ein Alarmsignal, das endlich ernst genommen werden muss.