„Nur auf dem Sofa sitzen – das ist nichts für mich“
Ohne Ehrenamt wäre der SoVD in Schleswig-Holstein nicht vorstellbar. Rund 300 Ortsverbände und etwa 4000 ehrenamtlich Aktive sorgen dafür, dass der Verband vor Ort lebendig bleibt. Einer von ihnen ist Norbert Jahn, Vorsitzender des SoVD-Ortsverbandes Viöl. Rund 230 Mitglieder zählt der Ortsverband – bei etwa 2200 Einwohnern in der Gemeinde ist das eine beachtliche Zahl. Ursprünglich kommt Norbert Jahn aus dem Raum Kiel, nach Viöl zog es ihn „relativ frisch der Liebe wegen“. Beruflich war er viele Jahre im Jobcenter tätig, zuletzt als Teamleiter. Heute bringt er seine Erfahrung im Ehrenamt ein.
Hallo Herr Jahn, warum engagieren Sie sich beim SoVD?
Ich bringe es von meiner Vita her mit, mich für Menschen einzusetzen. Und ich fühle mich noch so gut, dass ich eben nicht nur auf dem Sofa sitzen möchte, sondern mich auch noch engagieren kann.
Den SoVD kannte ich schon aus meiner beruflichen Zeit. Damals natürlich eher von der anderen Seite, wenn es um Widersprüche oder Klagen ging. Aber ich wusste: Der SoVD setzt sich für Menschen ein. Und da habe ich gedacht: Vielleicht kann ich mich dort auch einbringen.
Wie sind Sie dann konkret zum Ortsverband gekommen?
Über einen Freund, der hier schon sehr lange im Sozialverband aktiv ist. Er hat mich angesprochen und gesagt: Du hast doch Erfahrung mit Mitarbeiterführung, mit Protokollen und damit, Entscheidungen zu treffen. Dann kannst du doch im Vorstand mitmachen.
So bin ich ungefähr 2022 als stellvertretender Vorsitzender eingestiegen. Zwei Jahre später habe ich dann den Vorsitz übernommen.
Was gehört heute zu Ihren Aufgaben?
Es geht vor allem darum, für unsere Mitglieder etwas Gutes auf die Beine zu stellen. Wir organisieren Veranstaltungen, das Grillen, das Grünkohlessen im Herbst oder Ausflüge. Mehrtägige Reisen machen wir eher nicht mehr, dafür ist unsere Altersstruktur inzwischen zu hoch. Wir planen lieber Halbtagestouren, bei denen die Mitglieder abends wieder zu Hause sind.
Im August planen wir zum Beispiel eine Schifffahrt auf der Schlei . Mit dem Bus fahren wir direkt bis zum Schiff, dort gibt es Kaffee und Kuchen – und nachmittags geht's wieder zurück.
Sie organisieren also auch viel im Hintergrund?
Ja, schon. Ich telefoniere mit Busunternehmen, mit Gaststätten und kümmere mich um Termine. Die Reisen machen wir inzwischen gemeinsam mit dem DRK, das bietet sich einfach an. Sonst bekommt man den Bus manchmal gar nicht voll.
Wir haben außerdem vier Vorstandssitzungen im Jahr. Da besprechen wir, wer beim Grillen hilft, wer mit zum Bauernmarkt kommt, wer sich mit an den Infobus stellt oder wie wir mit Jubilaren umgehen.
Wie läuft das mit den Ehrungen?
Von der Landesgeschäftsstelle bekommen wir Listen, wer in diesem Jahr zehn, 20, 25, 30 oder 35 Jahre Mitglied ist. Dann schauen wir, wer wann geehrt wird. Die Urkunden bringe ich meistens persönlich vorbei – oder unser Kollege Klaus Hermann Lindenau, der hier viele Mitglieder kennt, weil er auch die Zeitung austrägt.
Warum werden die Menschen in Viöl Mitglied im SoVD?
Bei den Neueintritten geht es meistens darum, dass die Rente ansteht und Unterstützung bei der Antragstellung gebraucht wird. Das ist der Hauptgrund, den ich bisher erkennen konnte. Beim Grillfest ist auch mal jemand dazugekommen, aber das ist eher die Ausnahme.
Trotzdem bleiben unsere Mitgliederzahlen stabil. In diesem Jahr mussten wir auffällig oft in die Kirche, weil wir uns von Mitgliedern verabschieden mussten. Und trotzdem bewegen wir uns weiter auf dem Niveau von über 220 Mitgliedern.
Was macht das Ehrenamt manchmal schwierig?
Ganz klar: die Steuererklärung. Gerade mit Elster kann das schon Zeit kosten. Man muss Tätigkeitsberichte und Kassenberichte hochladen, dann ist etwas als JPG gespeichert und wird nicht angenommen – solche Dinge eben. Vieles machen unser Schatzmeister und ich gemeinsam. Ich habe auch angestoßen, dass wir eine eigene Internetseite für den Ortsverband haben.
Und was sind die schönen Momente?
Wenn die Mitglieder unsere Angebote annehmen und sich darüber freuen. Letztes Jahr beim Grünkohlessen war der Saal richtig voll, fast 50 Mitglieder und Gäste waren dabei. Das lag sicherlich auch am Grünkohl (lacht) – aber es war einfach schön.
Solche Gelegenheiten nutze ich dann auch, um den SoVD zu repräsentieren. Ich greife Themen aus der Verbandszeitung auf und sage ein paar Sätze dazu, etwa zur gleichen Bezahlung von Frauen und Männern. Mir ist wichtig, dass die Mitglieder sehen: Der SoVD kommt nicht nur zum Grünkohlessen und sagt „Guten Appetit“. Der Verband engagiert sich auch politisch und sozial – bundesweit und vor Ort.
Ehrenamtlich arbeiten wäre auch für Sie ein Thema? Dann melden Sie sich bei:
Christian Schultz
Referent für Sozialpolitik
Telefon: 0431 / 65 95 94 - 22
Mail: sozialpolitik(at)sovd-sh.de
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