Im Durchschnitt erreichen die Menschen in Deutschland ein immer höheres Lebensalter. Zu dieser begrüßenswerten Tatsache gehört allerdings auch die Erkenntnis, dass dadurch mehr Personen an Demenz erkranken. Und da Betroffene überwiegend zu Hause betreut werden, stellt dies vor allem Angehörige vor große Herausforderungen. Gerade die veränderten Verhaltensweisen einer langjährig vertrauten Person können den Umgang und die Kommunikation im Alltag erschweren.
Man kann es nicht oft genug betonen: Pflegende Angehörige leisten in unserer Gesellschaft eine unersetzliche Arbeit. Dabei gehen sie regelmäßig an das Limit ihrer Kräfte – und nicht selten darüber hinaus. Die Betreuung von Menschen mit Demenz ist dabei sicherlich in besonderer Weise herausfordernd. Das gilt umso mehr, wenn Pflegende „nebenher“ noch berufstätig sind oder Kinder versorgen müssen. Da können aus Erschöpfung oder Überforderung selbst kleinere Missverständnisse zu größeren Konflikten werden.
Dieser Leitsatz kann helfen: Demenz braucht Geduld
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft weist darauf hin, dass Probleme im Zusammenhang mit einer Demenzerkrankung von vielen Faktoren abhängen. Neben der Persönlichkeit der betroffenen Person spiele auch das Stadium der Krankheit eine entscheidende Rolle. Ebenso brächten auch die Betreuenden selbst eigene Fähigkeiten und Schwächen mit ein. Die Selbsthilfeorganisation rät Angehörigen daher, sich möglichst gründlich über die Krankheit zu informieren. Dies könne im Umgang mit Erkrankten vor Enttäuschungen und Resignation bewahren.
Wer überfordert ist,kann aggressiv reagieren
Je mehr pflegende Angehörige über Demenz wissen, desto besser können sie auch schwierige Verhaltensweisen nachvollziehen und Faktoren erkennen, die zu einer Lösung beitragen. Entscheidend sei es laut Alzheimer Gesellschaft, ruhig zu bleiben und auf den Gefühlszustand des erkrankten Menschen einzugehen. So lasse sich Ängstlichkeit oftmals mit Orientierungslosigkeit erklären, während hinter Aggressivität und Wutausbrüchen meist eine Überforderung stecke.
Menschen, die an Demenz erkrankt sind, erleben eine hohe emotionale Belastung. Ein verständnisvoller Umgang kann ihnen deshalb dabei helfen, sich weniger fremd und überfordert zu fühlen.
Bei Gesprächen hilft keine„objektive“ Wirklichkeit
Ein Austausch sollte stets von Wertschätzung getragen sein. In der Kommunikation zählt daher nicht die eigene Sicht, sondern die Erlebniswelt der von Demenz Betroffenen. Die folgenden Tipps können Gespräche erleichtern:
- Halten Sie Blickkontakt.
- Verwenden Sie kurze, klare Sätze.
- Vermeiden Sie Korrekturen oder Kritik.
- Stellen Sie möglichst Fragen, die sich mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen.
Mehr Informationen finden Sie jederzeit online unter: www.deutsche-alzheimer.de. Eine bundesweite Beratung bietet zudem das Alzheimer-Telefon unter Tel.: 030 / 259 37 95 14.
Buchtipp
Demenz bedeutet oft einen Verlust an Kommunikation und an sozialen Kontakten. An praktischen Beispielen zeigt Dr. Kasper Bormans in seinem Buch, wie es gelingen kann, Betroffene dennoch zu erreichen. Besondere Bedeutung haben hierbei Stimme, Körperhaltung oder auch Berührungen. Und: Bereits eine veränderte Sichtweise vermag Türen zu öffnen und Verbindung zu schaffen. Bormans Buch bietet Hoffnung, Trost und Inspiration für alle, die sich um demenzkranke Menschen kümmern. Beide Seiten können so ein Plus an Lebensqualität erreichen.
Kasper Bormans: Einfühlsam mit Demenzkranken kommunizieren. Goldmann, 208 Seiten, ISBN: 978-3-442-18087-5, 16 Euro.
